Hausgeburt

"Die Geburt ist für eine Frau die Stunde ihrer größten Würde."
     (Verfasserin unbekannt)

Jedes Jahr werden in Deutschland etwa 4600 Kinder zu Hause geboren.

Voraussetzungen

Voraussetzung für eine geplante Hausgeburt ist ein normaler Schwangerschaftsverlauf ohne schwere Grunderkrankungen der werdenden Mutter, die ein Kind erwartet, das mit dem Kopf nach unten liegt.
Das Kind kann ab der Vollendung der 38. Schwangerschaftswoche (37+0) zu Hause geboren werden.
Genauso wichtig ist ein offenes Vertrauensverhältnis zwischen den Eltern und der betreuenden Hebamme, welches schon im Laufe der Schwangerschaft durch regelmäßige Kontakte bei Vorsorgen, Vorgesprächen und im Geburtsvorbereitungskurs wachsen kann.

Ablauf

Mit Beginn der Rufbereitschaft ist die bereits aus der Schwangerschaft bekannte Hebamme für die Geburt rund um die Uhr erreichbar. Bei fraglichem oder sicherem Geburtsbeginn rufen die werdenden Eltern "ihre Hebamme" an und besprechen miteinander das weitere Vorgehen.
Wenn die Hebamme zu Hause eintrifft, schafft sie sich zu allererst einen Eindruck über die gesamte Situation. Dies beinhaltet unter anderem das Hören der kindlichen Herztöne, das Tasten nach der Position des Kindes, Fragen nach dem Befinden der Eltern und ggf. Fühlen nach dem Muttermund.
Um ganz dasein zu können, sagt die Hebamme dann alle anstehenden Termine ab. Hiermit wird eine kontinuierliche 1:1-Betreuung (eine Hebamme für eine Gebärende) der kompletten Geburt gewährleistet. Dies ist laut WHO ein wichtiger Sicherheitsfaktor für Mutter und Kind.

In den Stunden bis zur Geburt des Kindes unterstützen wir die Frau in ihren Bewegungsimpulsen sowie in ihrer individuellen Atemweise und geben Anregungen für förderliche Veränderungen.
Es ist uns wichtig, Mutter und Kind die Zeit zu geben, die sie für ihren gemeinsamen Weg brauchen. Dies ist auch notwendig, um eventuelle Ängste überwinden zu können. Dem Geburtsverlauf angepaßt wiederholen wir das Hören der kindlichen Herztöne und das Fühlen nach der Muttermundsweite.
Auch in der letzten Phase der Geburt ist die freie Wahl der Gebärposition für uns selbstverständlich. Dies kann zum Beispiel im Stehen sein, auf den Knien, in der Badewanne, in Seitenlage oder auch auf dem Gebärhocker.
Ist das Kind geboren, geben wir Raum für eine ungestörte Begrüßung durch die Eltern.
Sobald wir uns vom Wohlergehen von Mutter und Kind versichert haben, ziehen wir uns in Hörweite zurück.

Nach der Geburt der Plazenta, oft auch schon davor, wird das Kind zum ersten Mal gestillt.
Falls der Damm nicht völlig heil geblieben ist, nähen wir unter örtlicher Betäubung.
Jetzt ist Zeit um das Kind zu wiegen, zu messen und die Erstuntersuchung (U1) durchzuführen.
Bevor wir nach 2 bis 4 Stunden wieder gehen, begleiten wir die Mutter noch zur Toilette oder auch zur Dusche, vergewissern uns nochmals, daß alle wohlauf sind und geben Instruktionen für die Zeit bis zu unserem ersten Wochenbettbesuch.

Geburtsplanung

Eine Hausgeburt findet in der Regel geplant statt und bedarf einiger Vorbereitungen sowohl von Seiten der Hebamme als auch von Seiten der werdenden Eltern.
In einem Geburtsplanungsgespräch während der Schwangerschaft werden diese ausführlich besprochen.

Vorbereitungen im häuslichen Bereich durch die Eltern sind z.B. das Bereitstellen von
  • Wärmequelle
  • Lampe
  • Bettwäsche
  • Handtüchern
  • Wäschesack und Abfalleimer
  • Malerfolie zum Abdecken der Matratze
  • "heißem Wasser"
Die Hebamme bringt unter anderem mit
  • Grundausrüstung
    • wasserdichte Unterlagen
    • Instrumente zum Abnabeln und für eine eventuelle Naht
    • Homöopathie für Mutter und Kind
    • ätherische Öle
    • Gebärhocker
  • Notfallausrüstung
    • Absauger für das Kind
    • Sauerstoff und Beatmungsbeutel für das Kind
    • Medikamente für Notfälle (wehenanregend und wehenhemmend)
    • Infusionen
Weitere Themen im Geburtsplanungsgespräch sind
  • Umfang und Kosten der Rufbereitschaft (alle anderen Hebammenleistungen sind Kassenleistungen und werden von dieser übernommen)
  • Versorgung von Geschwisterkindern
  • 2. Hebamme im Hintergrund
  • Umfang des Reinigungsaufwandes nach einer Hausgeburt (1 Tüte Müll und 1 Maschine Kochwäsche)

Risikoaufklärung

In einem Aufklärungsgespräch informieren wir über allgemeine Risiken einer Geburt, die unabhängig vom Geburtsort auftreten können und deren Management in der Hausgeburtshilfe.
Über Verlegungsgründe und den praktischen Ablauf einer Verlegung in eine Klinik wird ausführlich gesprochen.
Die Verlegungsrate in der außerklinischen Geburtshilfe liegt bei 12,1%. Fast alle Verlegungen finden in Ruhe statt, nur 0,9% der Geburten werden als Notfall verlegt. Mehr Infos unter www.quag.de.
Um für den Falle eines "Umzuges" in die Klinik so gut wie möglich gerüstet zu sein, erstellen wir mit den Eltern eine Telefonliste aller nötigen Nummern wie z.B. die der nächstliegenden Geburtsklinik, der Rettungsleitstelle und des Babynotarztwagens.