Geburt von Aaron Dionys zu Hause



Lassen Sie sich nicht von meinem Start abschrecken! Mein Anfang war nicht ermutigend. Durch einen heftigen Hustenreiz durch Heuschnupfen habe ich mir eine Rippe angeknackst. Mit dem Gefühl, ein Messer stecke in meinem Rücken sah ich unseren Wunsch, eine Hausgeburt zu haben, stark gefährdet. Ich bat meinen Mann früher nach Hause zu kommen.
Während ich geduldig auf der Couch wartete, spürte ich sanft etwas fließen. Eigentlich wollte ich zur Toilette, aber der Schmerz hielt mich zurück. Als mein Mann dann da war, wagte ich den Weg dann doch. Und da geschah es. Meine Fruchtblase ist geplatzt. Aus dem leichten Rinnsal wurde ein Bach. Normalerweise hätte ich mich darüber gefreut. Dass er früher kommen wollte habe ich eh schon immer prophezeit. Aber bei den Schmerzen und dem fehlenden Mittagsschlaf sah ich mich dem Ganzen nicht gewachsen. Die Wehen haben ja noch nicht begonnen.
Mein Hausarzt erbarmte sich, und besuchte mich zu Hause. Die Injektion und die verordneten Schmerzmittel – natürlich keine, die auf den Kleinen übergehen – halfen nach einer Weile bestens.
Nicht vergessen darf man den notfallmäßigen Einsatz einer Freundin, die zum Tapen meines Rückens extra nach Schriesheim gefahren kam. Kurz danach kam auch Verena und wir amüsierten uns trotz allem über die obskure Situation. Obwohl sich "nur" drei Frauen im Raum befanden, darf man erwähnen, dass drei süße Babys noch in unseren Bäuchen schlummerten. Eigentlich ist es eine Schande, dass ich mich ausgerechnet von einer anderen Schwangeren betütteln ließ.
Dies alles geschah noch im Laufe des Nachmittags. Völlig übermüdet und gerädert von den Turbulenzen, gingen wir früh zu Bett. Abends fingen dann die Wehen an. "Überhaupt nicht so schlimm", dachte ich mir, und tönte sie gemeinsam mit meinem Mann Marcus weg.
Um Mitternacht riefen wir dann Verena an, dass sie bitte kommen möge. Die Wehen kamen im 3-Minuten-Takt und wurden immer stärker.
Wahrscheinlich hätten wir Verena noch etwas länger schlafen lassen können. Aber beim ersten Kind ist man doch schnell mal verunsichert.
Die "Ah,Oh- und Uhs" während den Wehen waren schon sehr hilfreich. Vielen ging es sicher wie mir auch. Man kommt sich ziemlich albern vor, wenn man während dem Geburtsvorbereitungskurs vor sich hintönt! Aber es lohnt sich!
Ich weiss nicht, wie es anderen Frauen während den Wehen ging, aber mit spazieren hatte ich nicht mehr viel am Hut. Mit Mühe konnte man mich vielleicht noch zu einem Toi-Gang überreden. Wehen auf dem "Stillen Örtchen" wegzutönen grenzt doch schon ein wenig an die Peinlichkeit. Ansonsten waren der Wickeltisch, der Pezziball und das an der Tür hängende Tuch schon sehr hilfreich. Klarer Favorit der Pezziball im Vierfüsslerstand, während ich von Marcus fleißig massiert wurde. Er ist anstandslos meinen ?Befehlen? nachgekommen. Vorne durfte ich später der 2. Hebamme Anette die Hände quetschen.
Ich war schon so entkräftet, dass ich mit dem Standart-Satz: "Ich kann nicht mehr" aufgeben wollte! Mein Mann und die Hebammen haben mich aber bestens weiterangespornt. Anette mit dem Satz: "Glaub mir, du hast genug Kräfte, bis der Kleine geboren ist!"
Immer wieder wurde ich gebeten, die Toilette aufzusuchen. Ich war nur schwer zu überzeugen. Wer will schon auf dem "00" am Mann oder an der Hebamme hängen, und schreien wie am Spiess? An die Nachbarn hatte ich in diesen Momenten ehrlich gesagt nie gedacht.
Nach mehreren Positionswechseln vom Pezziball über den Wickeltisch und das Tuch an der Tür, war ich dann auf dem Gebärhocker gelandet.
Während des Geburtsvorbereitungskurses hatte ich diesen nur von Weitem beäugt, da er mir überhaupt nicht sympathisch erschien.
Durch eine anatomische Barriere in meinem Körper hat sich die Geburt inzwischen um einige Stunden verlängert. Trotz allem kein Grund um verlegt zu werden. Die Herztöne des Kleinen wurden inzwischen regelmäßig in kurzen Abständen kontrolliert. Sie waren stets bestens. Mir ging es den Umständen entsprechend auch gut.
Um den Weg für den Kleinen nun zu erleichtern resp. zu ermöglichen, wollte ich den Gebärhocker doch nutzen. Die Hebammen wussten da besser Bescheid, was nun sinnvoll war.
Nun kam die Endphase.
Aaron Man konnte das Köpfchen sehen, und ich durfte es sogar ertasten. Mit meinen letzten Kräften hatte ich unseren Sohn dann nach einer langen Reise an sein Ziel geboren. Da lag er vor uns auf dem Teppich und tat seine ersten Atemzüge. Die Hebammen lösten die Nabelschnur von seinem Hals und dann durfte ich ihn endlich auf meinem Körper spüren. Erstaunlicherweise konnte ich keine Freudentränen weinen, obwohl ich mir bei jeder Filmgeburt die Augen ausheule! Wir waren einfach unsagbar glücklich und bestaunten unser kleines Wunder und befanden ihn natürlich als das schönste Kind auf Erden.
Eigentlich könnte man hier abschließen. Aber eine kleine Geschichte wäre noch zu erzählen.
Die Nachgeburt musste noch raus. Ich wurde angehalten leicht zu pressen. Zu leicht, wurde mir gesagt. Ein bisschen stärker dürfte ich schon pressen. Dem Wunsch kam ich nach und "erschoss" Verena mit der Plazenta förmlich! Denke, das bleibt ihr auf jeden Fall in Erinnerung! Obwohl die Flecken wohl komplett verschwunden sind.
Wir werden die Geburt unseres ersten Kindes sicher nicht vergessen. Trotz all den Strapazen und der etwas langen Geburt, würde ich es jederzeit wieder zu Hause wagen.
Ein großer Vorteil der Hausgeburt ist auf jeden Fall, dass man die Zeit zu Dritt ungestört genießen kann! Kein verfrühter Besuch der Verwandtschaft, das ist echt Gold wert!