Annas wunderschöne Wasser-Hausgeburt



Wir waren - nach einer wundervollen Schwangerschaft - langsam angespannt, unser Kind liess auf sich warten und wir waren nun bereits bei ET+9. Zwar hatte ich schon seit Wochen einen geburtsbereiten Befund und häufig auftretende Wehen, allerdings keine, mit denen man Kinder gebären konnte.

Anna Nun, an diesem Tag beschlossen wir in Absprache mit Anette, es mit einem Rizinuscocktail zu versuchen. Den trank ich kurz vor acht, wir verabschiedeten uns von Anette in der Hoffnung, uns am späten Abend/frühen Morgen zur Geburt wiederzusehen. Nach ca. 2 Stunden bemerkte ich erste Wehen, allerdings so sanft, dass ich beschloss, mich nochmals hinzulegen, um Kraft zu tanken. Gegen halb 2 Uhr nachts wachte ich auf, keine einzige Wehe mehr, nichts. Wir waren so resigniert, traurig, wütend und langsam kam auch die Angst auf, letztlich mit einer Einleitung im Krankenhaus zu landen. Aus der Traum von der Hausgeburt. Nun, Anette wurde aus dem Schlaf geklingelt und ihr traurig mitgeteilt, das nun auch der Cocktail nicht geholfen hätte. Sie tröstete mich und empfahl mir, vorm Einschlafen noch einige der Globuli zu nehmen, die sie mir dagelassen hatte. Morgen sähen wir weiter... Doch so lang sollte es nicht mehr dauern.

Gegen halb 3 rief ich Anette erneut an, seit einigen Minuten überrollten mich Wehen, wie Thomas schnell feststellte, kamen sie bereits im 3-min.-Abstand. Ich bat Thomas, Wasser in die Wanne einzulassen, ich wollte in warmes Wasser...und zwar SOFORT. Während ich in der Wanne die folgenden Wehen veratmete, fing Thomas an, die Wohnung wieder in einen "geburtsbereiten" Zustand zu versetzen, die Heizungen wurden wieder aufgedreht, das Bett neu bezogen, die Kaffeemaschine befüllt...nun,letzlich sollten wir nichts davon benötigen, aber das wussten wir zu diesem Zeitpunkt noch nicht.

In der Wanne rief ich Anette nochmals an, um sie zu bitten, vielleicht doch noch etwas zu warten [es war ja mitten in der Nacht], da ich Angst hatte, dass die Wehen-wie in den letzten Tagen passiert-in der Wanne wieder verschwinden. Nun, sie hörte mich dann in der nächsten Wehe laut tönen, unsere letzten Zweifel waren damit wohl aus dem Weg geräumt ;o)

Thomas war nun bei mir, hielt in den Wehen meinen Kopf und redete ab und an sanft auf mich ein. "ATMEN, ruhig ATMEN und wieder ENTSPANNEN". Kurze Zeit später traf Anette ein, richtete kurz ihre Sachen und kniete sich mit an die Wanne. Wenige Minuten später wollte ich reflexartig aus der Wanne, "Ich muss aufs Klo!". Anette hielt mich zurück und meinte, dass das wohl er der Druck des Köpfchens wäre. "Jetzt schon?????" Nun, sie untersuchte meinen Muttermund und meinte: "Christiane, der ist vollständig offen!" Was?, ich konnte es gar nicht glauben und stammelte vor Freude irgendetwas. Nach kurzer Zeit merkte ich einen enormen Druck nach unten "Es drückt so, es drückt." Anette sagte mir, ich könne ruhig mitdrücken. "Mitdrücken? Pressen? Pressen! Aber das macht man doch erst bei den Presswehen, und das wird ja noch dauern..." dachte ich. Nun - die folgenden Presswehen waren so schmerzhaft, dass ich anfing, laut zu schreien, um die Energie irgendwie loszuwerden [die Nachbarn haben übrigens nichts gehört :o)] Ich könne das Köpfchen schon fühlen, meinte Anette, und tatsächlich, da waren Haare, ganz viele weiche Haare...Dieser "Handgriff" war so motivierend! Nochmals pressen, ich spürte, wie der Kopf nach aussen trat, nochmals, die Schultern kamen, ohhh!, man sah schon ein schwarzhaariges Köpfchen unter Wasser...Anette meinte, mit der nächsten Wehe komme das Baby, wir könnten es dann aus dem Wasser heben. Und tatsächlich! Diesen Augenblick, als uns unter Wasser zwei grosse dunkle Augen anblickten und ich das Kind aus der Wanne hob, werden wir wohl nie vergessen....
Ich legte das kleine Wesen auf meine Brust, warme Tücher wärmten es und es schaute uns ganz tief in die Augen...oh je, war das bewegend.
Nun, nach einigen Minuten fiel mir plötzlich noch etwas Wichtiges ein: "Was ist es denn eigentlich?"

Anna Nun, das Ergebnis kennen wir ja nun. Und könnten es den ganzen Tag küssen.

ANNA
[14.03.06, 4:44 Uhr, 54cm, 3760 gr, KU 37 cm]

Nun, doch genauso wichtig und erwähnenswert wie die Geburt fanden wir das Davor und Danach, die Betreuung durch Euch während der Schwangerschaft mit den vielen Fragen und Gedanken, als auch in der Anfangszeit "danach", die Hilfe bei den ersten Stillproblemen...

Wir möchten uns auf diesem Weg ganz, ganz lieb bei Hilde bedanken, die uns die ganze Schwangerschaft hindurch so toll begleitet hat, immer ein offenes Ohr hatte und uns durch Ihre ganz eigene Art und Selbstverständnis den Weg zu dieser tollen Geburt ebnete - doch auch Hebammen haben einmal Urlaub...:o).

Und ein riesengrosses Dankeschön an Anette, die wir durch den Geburtsvorbereitungskurs [sehr empfehlenswert!!!] schon kennenlernten...Danke für dein Dasein in den letzten, doch angespannten Tagen der Schwangerschaft, Danke für die tolle Geburtsbegleitung und das Ermöglichen dieser so schönen und würdigen Begrüßung unserer Tochter. Vielen Dank für Deine Ruhe und Gelassenheit und das Ernstnehmen unserer Sorge...und Danke Euch für Eure Anteilnahme und Freude über unsere ersten gemeinsamen Fortschritte.

Und übrigens - IHR SEID EIN WIRKLICH TOLLES TEAM!