Unser Heim-Geburtserlebnis mit Florian



Ein bisschen Geschichte vorweg!
Nachdem ich zwei Fehlgeburten mit jeweiligem Klinikaufenthalt und Ausschabung hatte (das war eine harte, traurige und emotionale Zeit die man keinem wünschen möchte), die ich dann leider dieses Jahr noch einmal erleben musste oder durfte aber in ganz anderer Atmosphäre und der „normalen“ Geburt von Frederic in einer Klinik. Ich aber nicht wirklich von einem schönen Geburtserlebnis berichten konnte, sondern für mich die Entbindung in einer Auslieferung der Ärzte endete, mit Bauchdrücken, Dammschnitt (von wegen man spürt nichts in den Wehen) und einer dritten Ausschabung, da sich die Plazenta nicht löste (vermutlich war sie zu stark verwachsen durch die vorhergehenden Ausschabungen). Doch ich wollte zu gerne auch endlich eine schöne Schwangerschaft und schöne Geburt erleben, der Wunsch nach Natürlichkeit und ruhiger Atmosphäre stand bei mir im Vordergrund. Nichts wünschte ich mir mehr!
Dann war es tatsächlich endlich so weit und ein Geschwisterchen für Frederic (nun bald würde er 2 Jahre alt werden) war unterwegs. Meine Neurodermitis und Allergien machten mir wieder heftig zu schaffen, wie jedes Mal, sobald ich Schwangerschaftshormone im Blut hatte. Die Haut war allerdings wirklich sehr schlimm und in der Hautklinik wollten die mir doch tatsächlich eine Cortisontherapie verordnen. Ich habe das Zeug nicht genommen und fast völlig auf Zucker und Weizen verzichtet. Morgens mal „nur“ leckeres Obst gegessen, außerdem sind wir für zwei Wochen an die Nordsee gefahren. Dort bekam ich über die Krankenkasse eine ambulante Bäderkur verordnet. Es half und nach dem Urlaub war die Haut fast abgeheilt und auch sonst ging es mir endlich besser. Mittlerweile war ich im 7. Monat schwanger und ich fühlte mich nun rundum wohl. Ach ja, wir ließen übrigens nur die drei Ultraschalle machen, die die Krankenkasse bezahlte und auch sonst haben wir uns mehr auf unsere Hebamme Sandra (am Anfang noch Verena, die dann aber auch schwanger war) verlassen. Auch HNC hat so manches Wehwehchen beheben können und mir bei meiner Hautthematik gut geholfen.
Zum Ende der Schwangerschaft wurde es dann aber doch etwas beschwerlicher, mit fast 15 kg mehr auf den Rippen und einem kleinen quirligen Frederic und noch einigen heißen Sommertagen. Datierter Entbindungstermin war übrigens September 2007.
Drei Wochen vor diesem besagten Termin hatte ich zwei Wochen lang immer mal wieder Wehen, aber eben nichts Ernstes. Und so dachte ich montags früh es wäre wie die letzten Tage auch schon.
Mein Mann Joachim ging arbeiten, ohne dass ich ihm was gesagt habe. Ich bin dann um 6:30 Uhr unter die Dusche und da kamen die Wehen dann heftiger, ca. alle 8 Minuten. Ich habe mich dann noch mal auf die Couch gelegt und wollte noch etwas abwarten. 7:20 Uhr habe ich dann Joachim angerufen, er solle bitte nach Hause kommen. Die Wehen musste ich jetzt immer veratmen, ich wusste plötzlich ganz klar, das Baby würde heute noch kommen. Frederic hat bis kurz vor 8:00 Uhr geschlafen und Joachim kam auch so gegen 8:00 Uhr nach Hause. Wir haben dann unsere Hebamme Sandra angerufen. Ich habe ihr aber gesagt, sie soll ruhig noch duschen, es wird noch dauern. Sie hat sich zum Glück doch lieber beeilt, denn sie musste ja auch eine gute halbe Stunde Fahrtzeit einplanen. Um 8:45 Uhr war Sandra dann bei uns und meine Wehen kamen immer noch ca. alle 8 Min. Frederic saß noch am Frühstückstisch!
Joachim brachte ihn dann zur Oma in den Kindergarten. Er war zu diesem Zeitpunkt zwar noch kein Kindergartenkind, aber die Oma ist dort Erzieherin. Kurz nach 9:00 Uhr war Joachim dann wieder zurück. Sandra meinte, sie wartet erst mal ab, wie sich die Wehen entwickeln, wenn Frederic nicht mehr da ist. Und eventuell fährt sie auch nochmals nach Hause. Doch sie sagte schon, dass es meistens richtig losgeht, wenn die großen Kinder aus dem Haus sind. So war es dann auch. Joachim war wieder bei uns und es kam eine Wehe nach der anderen. Sandra fragte mich noch, wo ich denn das Baby bekommen möchte, aber ich hatte mir da keine Gedanken gemacht und empfand im Moment das Wohnzimmer als am angenehmsten. Am liebsten wollte ich mich sowieso gar nicht mehr bewegen. Ich war ganz mit mir und den Wehen beschäftigt. Doch ich musste nochmals zur Toilette und schaffte es mit Hilfe von Joachim und Sandra kaum noch vom Wohnzimmer zum Bad und wieder zurück. Die Wehen überfielen mich regelrecht und nur im Knien konnte ich damit zurechtkommen. Das Baby wollte unbedingt das Licht der Welt erblicken. Wir wussten übrigens nicht ob es ein Junge oder ein Mädchen sein würde. Im Wohnzimmer kniete ich vor unserem Sessel und hatte kaum noch Wehenpausen. Das ging so bis ca. 10:30 Uhr und ich merkte wie das Baby immer tiefer rutschte. Ich sagte dauernd, das Baby kommt schon! Ich konnte es innerlich nicht ganz begreifen wie schnell alles ging. Dann kamen schon Presswehen und Sandra fühlte das erste Mal nach dem Muttermund, vorher hatte sie 2-mal nach den Herztönen gehört. Es war alles OK, der Muttermund war geöffnet und ich war bereit zum Pressen. Ein unbeschreibliches Gefühl, wenn man spürt wie das Köpfchen kommt. Die Presswehen kamen nicht ganz so schnell und so konnte ich zwischendurch Kraft tanken. Als der Kopf nicht mehr zurückrutschte wusste ich, jetzt ist es gleich geschafft. Sandra bestätigte mir, unser Baby würde gleich geboren sein. 10:50 Uhr war klein Florian dann bei uns im Wohnzimmer angekommen. Wahnsinn eine so schnelle und sehr intensive, aber unbeschreiblich schöne Geburt. Ganz anders als im Krankenhaus, so natürlich ohne Eingriffe und Manipulationen. Ich konnte mich aber auch gehen lassen in den eigenen vier Wänden, hatte keine Angst. Meinem Körper vertrauen zu schenken und zu fühlen, was er braucht und dezente Hilfestellung zu erhalten war genau das Richtige, was ich und unser Baby brauchten. Annette, die zweite Hebamme, schaffte es leider zeitlich erst zur Nachgeburt bei uns zu sein, die diesmal, ohne lange auf sich warten zu lassen, 5 Minuten nach Florian, das Licht der Welt erblickte. Meine Angst, eventuell doch wieder eine Ausschabung über mich ergehen lassen zu müssen, war also unbegründet und ich war froh über diesen schönen Ausgang.
Obwohl Joachim erst etwas skeptisch der Hausgeburt entgegen sah, ist er doch sehr froh über unseren Entschluss, denn auch er empfand die Hausgeburt als etwas Einzigartiges.
Wir durften dann erst mal gemütlich alleine mit Florian im Ehebett kuscheln und erst kurz vor 16:00 Uhr, als Sandra nach Hause fuhr, wurde Florian vermessen und gewogen. Ich durfte vorher noch duschen und ein kleiner Riss an meiner alten Dammnaht musste mit einem Stich genäht werden. Ich konnte diesmal viel schneller wieder sitzen und fühlte mich auch sonst viel schneller wieder fit. Nach Frederics Geburt undenkbar! Was doch ein Schnitt oder Riss ausmacht! Schade, dass ich diesen Schnitt hatte, sonst wäre vermutlich gar nichts gerissen.
Florian liebte das Tragetuch genauso wie es Frederic geliebt hat. Darin lässt es sich wunderbar schlafen. Auch Florian durfte bei uns im Ehebett schlafen, zum Stillen einfach am praktischsten und natürlich zum Nähe genießen fürs Baby am Besten. Frederic brauchte allerdings Papa zum Einschlafen in seinem großen Bett und morgens kam er dann zu uns ins Ehebett. Für uns alle vier wäre es so doch etwas zu eng geworden im 1,80 m Bett.
Die Wochenbettzeit war wunderschön und ich hatte Zeit zum Erholen und eingewöhnen mit Florian. Obwohl mein Mann zwei Wochen Urlaub hatte (bzw. als Haushaltshilfe agierte) und uns danach unsere Oma eine Woche tatkräftig zur Seite stand, wären noch ein bis zwei Wochen längere Hilfe besser gewesen. Frederic ging ja noch nicht in den Kindergarten und ich empfand es schon als sehr anstrengend mit einem Kleinkind und einem Stillkind zu hause alleine zu sein. Aber alles nahm seinen Lauf und auch diese Zeitspanne verging wie im Flug. Mittlerweile ist Frederic 4 1/2 Jahre und Florian gute 2 Jahre alt.
Wir entschlossen uns zu einer weiteren Schwangerschaft. So sehr wünschte ich mir noch ein Baby im Arm zu halten.
Weiter siehe Geburtsbericht („Unsere kleine Geburt zu Hause“).