Unsere kleine Geburt zu Hause



So sehr ich mir ein weiteres Baby wünschte so sehr hatte ich auch Angst davor. Eine unbeschreibbare Angst, dass etwas sein könnte (das hatte ich bei Florian nicht) oder etwas geschehen könnte.
Schon bald wusste ich, dass in mir ein Baby wachsen würde. Ich spürte es schon bevor ich einen positiven Schwangerschaftstest in den Händen hielt. Gleichzeitig wieder diese komischen Angstgefühle. Wie konnte das sein? Ich war so glücklich und zufrieden sollte doch mein Wunsch, ein drittes Kind zu bekommen, in Erfüllung gehen. Mein Mann wollte eigentlich nach den zwei Jungs kein weiteres, es war auch wirklich oft anstrengend genug mit den Beiden. Vor allem in Krankheitsphasen oder Zahnungsphasen, wenn wir kaum zum Schlafen kamen. Es wurde mit der Zeit aber doch etwas einfacher und wir konnten uns wieder mehr Zeit für uns schaffen und auch Joachim war dann innerlich so weit für die Aufgabe noch einmal Papa zu werden.
So freuten wir uns riesig den positiven Test in den Händen zu halten und um meine Angst etwas zu mildern entschlossen wir uns keinen Ultraschall (die zwei Fehlgeburten vor Frederic kamen immer nach einem Ultraschall) machen zu lassen bzw. frühestens in der 20. SSW.
Mir ging es recht gut und als mir in der 6. SSW dauernd übel war und ich mal wieder nichts Gebratenes, Fettiges und Süßes sehen und riechen konnte wusste ich es war alles in bester Ordnung. Ich aß also wie in jeder meiner Schwangerschaften hauptsächlich Obst und Gemüse (in großen Mengen) und alles worauf ich sonst Lust hatte (in kleinen Mengen). Wir lernten Nora aus der Hausgeburtspraxis kennen, da Sandra (die wir gerne wieder an unserer Seite gehabt hätten) sich in einer beruflichen Auszeit befand. Wir lernten uns kennen und vereinbarten einen ersten Vorsorgetermin. Alles in bester Ordnung, bis auf diese Angst die immer wieder mal mehr Mal weniger hoch kam. Außerdem war es gerade sehr stressig bei uns zu Hause und ich hatte nicht viel Zeit mir Ruhe zu gönnen.
Meine allergischen Reaktionen waren plötzlich wieder so extrem und ich konnte nun außer Obst und Gemüse kaum was essen (zu der Zeit war ich etwa in der 10 SSW).In der 11. SSW bekam ich eine heftige Magen Darm Infektion und nahm 2 kg in 3 Tagen ab. Hatte eh noch nichts zugenommen bzw. schon ein kg abgenommen und war schlank. Ich machte mir also große Sorgen und hatte eine unsagbare  Angst, mit dem Baby könne etwas nicht stimmen. Zum Arzt wollte ich nicht und Nora war in Urlaub. Also rief ich nach weiteren zwei Tagen, in denen es mir einfach immer noch nicht besser gehen wollte, Johanna aus der Hebammenpraxis an. Am nächsten Morgen kam sie und gab mir Tipps zu meiner extrem allergischen Schnupfennase, die mich nachts kaum schlafen ließ und beruhigte mich wegen der Gewichtsabnahme. Im Obst und Gemüse sei ja auch alles drin, was das Baby und ich jetzt brauchen. Und etwas Käse und ganz wenig Reis gingen ja auch noch. Sie erklärte mir nur, dass mein Körper mir deutliche Signale mit dem Essen schickt und ich darauf hören sollte. Vermutlich sei ich extrem übersäuert. Mit dem Hörrohr hörte sie nach den Herztönen des Babys, sagte aber gleich, dass da in der frühen Schwangerschaft meist nichts eindeutig zu hören sei. Johanna beruhigte mich, denn sie hörte ein leises Pochen, wenn auch eher unregelmäßig.
Ich war also wieder zuversichtlicher vor dem Wochenende. Es war Freitag und ich hatte noch immer ein komisches Gefühl in der Herzgegend. Warum ging es mir so schlecht, warum konnte ich mich nicht mehr freuen und vor allem warum diese extremen, allergischen Reaktionen?
Mit diesen „Warums?“ schlief ich irgendwann abends spät ein und am nächsten morgen hatte ich ein ständiges ziehen im Bauch, aber der Haushalt musste erledigt werden. Ich konnte doch eh schon die ganze Woche kaum was machen. Ich war mit Mühe damit beschäftigt die Kinder zu versorgen. Für die war das ja auch ganz schön schwierig, wenn es Mama so schlecht geht.
Nachmittags hatte ich plötzlich einen Blutfleck in der Unterhose, als ich zur Toilette musste. Diese Angst, sie war so erschreckend. Ich rief Johanna an und sie hat mir Bettruhe verordnet. Doch ich war innerlich so aufgewühlt. Was war nur los? Es stimmte was nicht. Ich konnte mich nicht entspannen und trotz allem positivem Lesen konnte ich nicht positiv denken. Abends sollte ich mich nochmals bei Johanna melden. Ich beschrieb ihr mein Gefühl und sie sagte: „Hör auf Dein Bauchgefühl. Wenn es gehen muss, Dein Baby, dann lass es gehen.“ Ich lag also im Bett (unsere Kinder schliefen schon und mittlerweile war es schon 22:00 Uhr) und versuchte mit dem Baby Kontakt aufzunehmen, es gelang mir nicht mehr und ich merkte ein immer stärker werdendes Ziehen im Unterleib.
Irgendwann schlief ich in Gedanken und voller Angst doch noch ein. Ich erwachte so gegen 2:00 Uhr und hatte regelmäßige Wehen, die sich wie Vorwehen anfühlten. Abends haben wir noch die ganze Zeit überlegt ob wir doch noch ins Krankenhaus zum Ultraschall machen lassen, fahren sollten. Ich war aber innerlich dagegen und wollte abwarten. Falls etwas wäre, würden die mich dortbehalten und gegebenenfalls würden die wieder eine Ausschabung machen. Dies habe ich ja schon zwei Mal so erlebt. Ich könnte mich nicht verabschieden, von unserem Baby. Dieser Gedanke versetzte mich so in Angst. Ich wollte auf gar keinen Fall von zu Hause weg.
Mein Mann schlief neben mir und ich hatte immer wieder Wehen, irgendwann ging das ganz schön schnell und war so schmerzhaft, dass ich nur auf allen Vieren und mit Bettdecke unter dem Bauch geklemmt verharren konnte. Ich weckte Joachim und sagte das Baby würde gleich kommen. Es war komisch, aber tief in mir wusste ich von Anfang an, dass dieses Baby nicht bei uns bleiben würde. Es hört sich für Außenstehende vielleicht alles komisch an. Auch für mich war es schwierig, denn mein Körper sagte mir ganz genau, was los war, und ich musste instinktiv darauf vertrauen. Ich musste zur Toilette und da kam Blut. Schnell legte ich ganz viel Toilettenpapier unter mich. Ich hatte Angst unser Baby einfach das Klo runterrutschen zu sehen. Doch es kam als erstes und ich konnte es auffangen. So winzig klein und zart, vielleicht 2-3 cm groß und doch schon alles dran. Arme, Beine Augen (ohne Lieder), eine Nase und Ohren erkennbar. Wahnsinn, unser Baby! Es lebte nicht. Zugleich wahnsinnig traurig und doch innerlich erleichtert und froh. Ich habe es alleine zu Hause mit meinem Mann geboren. In unserem Bad bei Kerzenschein (mein Mann hatte sie zuvor angezündet). Ich weinte und es kam so viel Blut und Blutkoagel, doch ich wusste, es musste alles raus. Sonst würde ich wieder eine Ausschabung ertragen müssen. Es wäre allerdings nicht mehr so schlimm gewesen, denn diesmal durfte ich mein Baby selbst empfangen.
Wir riefen dann Johanna an, die kurz darauf vorbeikam und nach mir/uns schaute und mir mit Tee und Homöopathie Unterstützung gab. Unsere zwei Jungs haben zum Glück fast alles verschlafen, nur der Große war mal kurz wach und fragte den Papa nach Mama. Er konnte aber wieder einschlafen. Morgens wurden sie von Opa abgeholt und verbrachten den Tag bei den Großeltern. Zum Glück war Sonntag. Wie sollten sie auch verstehen, was mit Mama los war, brauchte ich doch selbst erst einmal Zeit um alles zu verstehen.
Eine lange Zeit des Nachdenkens, des Verabschiedens, Hoffens und Abwartens brach herein. Fünf Tage nach der Geburt unseres Sternenkindes, wie ich es für mich taufte, ging ich zum Frauenarzt und dort empfang man mich nicht gerade in Liebe. Nein, ich solle doch bitte gleich ins Krankenhaus um eine Ausschabung machen zu lassen. Abzuwarten sei viel zu riskant. Klar war auf dem Ultraschall zu sehen, dass sich noch Reste in der Gebärmutter befanden. Wie sollte auch nach fast 12. Wochen schwanger in 5 Tagen alles weg sein. Johanna beruhigte mich und ich entschloss mich zu warten und meinem Körper Zeit zu geben. Zeit, die er jetzt dringend brauchte, sowohl seelisch wie auch körperlich um wieder zu seinem alten Sein zurück zu finden. Es hat sehr lange gedauert. 5 Wochen hatte ich Blutungen und noch 2 Wochen leichte Schmierblutungen. Mein HCG-Wert wurde sowohl beim Frauenarzt, wie auch durch Johanna regelmäßig kontrolliert. Er musste wieder unter 5 sein, um sicher zu sein, dass kein kindliches Gewebe zurück blieb. Nach 5 Wochen lies ich auch noch mal einen Ultraschall machen, mehr um alle Anderen zu beruhigen, nicht wirklich für mich. Es war soweit alles OK und mein Frauenarzt sagte dass ich wohl doch um die Ausschabung herum komme. Tolle Aussage! Ich war erst wirklich beruhigt, als der HCG-Wert im Blut unter 5 lag und ich nicht mehr in die Praxis kommen musste.
In der Zeit geschah auch sonst noch sehr viel. Ich bekam 2 Wochen nach der Geburt unseres Sternenkindes eine heftige Grippe. Viel insgesamt 5 Wochen beruflich, wie auch als Mama und Haushaltsmanagerin aus. Es war nicht gerade einfach für alle Beteiligten. Ich konnte auch weiterhin nur wenig essen und vor allem weiterhin fast nur Obst und Gemüse. Ich las viel über basische Ernährungsweise, über Allergien und Rohkost und auch über glückliche Schwangerschaften. Nun sind schon fast 3 Monate vergangen und mein neues Ich ist fast 5 kg schlanker als zuvor (obwohl ich vorher schon dünn war). Ich fühle mich doch wunderbar damit, habe wieder Kraft und mehr Energie, ernähre mich hauptsächlich basisch und viel roh. Mir geht es endlich wieder besser und auch meine allergischen Schnupfen Symptome lassen langsam nach. Ich lese auch viel über Krankheit als Weg, psychische Aspekte und über den Sinn des Mondes und dessen Rhythmen. Es ist spannend und zugleich habe ich noch einiges zu bewältigen, was in meiner Kindheit geschah, was ich bisher immer verdrängt habe. Auch die zwei Fehlgeburten vor Frederic waren nie wirklich verarbeitet, da ich nie wirklich Abschied nehmen konnte.
Für mich war das alles so richtig und es war mein Weg, den ich gehen musste. Ich bin mir sicher, irgendwann werde ich soweit sein um noch einmal das Glück einer zufriedenen, glücklichen, erfüllenden und außergewöhnlichen Schwangerschaft und Hausgeburt erleben zu dürfen.
Nach allem, was geschah und was ich erlebt habe, freue ich mich auf diesen wunderbaren und zufriedenen Augenblick ein so einmaliges Geschenk eines Kindes in den Armen halten zu dürfen.
Vielen Dank an unsere lieben Hebammen (Verena, Sandra, Anette, Hilde, Nora und Johanna), die uns mit Rat und Tat zur Seite standen und mir in vielerlei Hinsicht geholfen haben und mich auf meinem weiteren Lebensweg positiv bereichert haben.