"Meine Geburt" von Maximilian



Liebe Hilde,

laut Mamas Unterlagen haben wir uns am 11.September 2003 kennen gelernt, als Du Mama, Papa und meinen großen Bruder besucht hast, um darüber zu sprechen, mich mit einer Hausgeburt auf die Welt zu bringen.
Ich schwamm noch ziemlich klein in Mamas Bauch herum, aber ich habe schon einiges mitbekommen.
Mama war neugierig, gemischt mit Zweifel, wobei ihr größtes Problem war, die Nachbarn mit eventuellem Schreien zu stören. Da mußte ich doch ein wenig lachen und dachte bei mir: "Warte erst mal bis ich auf der Welt bin. Meine Schreie sind viel nervtötender!"
Von Papa kamen auch so einige Zweifelswellen zu mir gedrungen. Für ihn stand aber im Vordergrund der Wunsch nach einer Betreuung während der Geburt, die ihn und Mama nicht im Stich läßt, wie bei der Geburt meines Bruders im Krankenhaus.

Denn da war er mit Mama 30 Stunden allein in einem Wehenzimmer, unterbrochen von dem kurzen "Muttermundabtasten" der Hebamme, die dann auch gleich wieder verschwand. Nach 12 Stunden brauchte Mama eine PDA, weil sie fix und fertig war und einen Wehentropf, weil nichts weiterging. Nach 28 Stunden kamen sie in den Kreißsaal, wo mein Bruder mit Saugglocke und einem riesen Dammschnitt bei Mama auf die Welt "gesaugt" wurde. Die Nabelschnur wurde sofort von Papa durchgeschnitten, dann durfte mein Bruder kurz auf Mamas Bauch, um dann gleich wieder weggenommen zu werden zum Wiegen, Messen, etc.
Die nächsten 5 Tage verbrachte mein Bruder die meiste Zeit auf der Kinderstation, weil Mama dem "guten Zureden" der Kinderschwestern, ihn doch bei ihnen abzugeben, nichts entgegensetzen konnte, da sie zu fertig von 30 Stunden Geburt und zu unsicher im Umgang mit Baby und Stillen war, um allein mit ihm im Zimmer zu bleiben.
Als Mama dann endlich nach Hause kam, mußte Maren, ihre Nachsorgehebamme, erstmal einiges wieder "reparieren". Durch ihre und, Hilde, Deiner Hilfe ist mein Bruder dann doch gestillt worden (in der Klinik wollte Mama schon aufgeben) und Mama konnte sich endlich erholen. Sie hat das Stillen dann 8 Monate genießen können.

Das alles haben Mama und Papa Dir, liebe Hilde, bei unserm ersten Treffen erzählt und dann hast Du einiges über den Ablauf einer Hausgeburt, die Vorsorge und Nachsorge erzählt. Ich dachte in Mamas Bauch. "Das hört sich gut an. So möchte ich gern auf die Welt kommen, bloß nicht wie mein Bruder."
Du hast dann mit meinen Eltern 2 Wochen später wieder einen Termin ausgemacht und die beiden haben in der Zeit überlegt und überlegt und sich schließlich dafür entschieden, mich mit Deiner Hilfe zu Hause zu gebären.
Du hast Mama empfohlen eine hnc Therapie bei Sandra zu machen und da habe ich dann meine zweite Hebamme kennen gelernt. Ich habe diese Sitzungen immer sehr genossen und Mama wurde immer entspannter. Ihr Beckenboden wurde auf die Geburt vorbereitet, das Trauma der ersten Geburt behandelt und so allerlei Beschwerden "weggezaubert".
Im Laufe der Vorsorgeuntersuchungen bei Dir habe ich gemerkt, wie viel Vertrauen Mama in Dich und die bevorstehende Hausgeburt gewinnt. Ich hatte Deine Untersuchungen auch viel lieber, als die hektischen Besuche beim Frauenarzt und diesen unangenehmen Lärm, wenn Mamas Bauch "durchschallt" wurde.
Du hast Dir immer Zeit genommen und Mama nicht nur körperlich, sondern auch psychisch, ganzheitlich betreut. Und, glaube mir, so etwas genießen wir da drinnen auch sehr. Ich fand es klasse, daß Du Dich auch immer an mich im Bauch gewandt und mich begrüßt hast.

So blieb ich 38 Wochen in Mamas Bauch und entschied dann, mal zu sehen, wie es da draußen aussieht. Zu Hause war alles vorbereitet, die Sachen von Deiner Liste lagen bereit, das Wohnzimmer war präpariert. Ich fand mich groß und reif genug auf die Welt zu kommen, also schickte ich ein paar Signale an Mamas Körper, jetzt mal loszulegen.
Mama reagierte etwas nervös mit hohem Blutdruck und nahm erst um Mitternacht die Wehen zu Kenntnis und rief Dich an. Sie wollte erstmal abwarten und die Wehenarbeit für sich allein entdecken. Also schickte sie Papa schlafen und rief 2 Stunden später wieder bei Dir an, wollte aber immer noch für sich sein.
Als die Wehen dann alle 4-5 Minuten kamen, gab sie Dir Bescheid, Dich auf den Weg zu machen.

Durch den Geburtseinstimmungsabend, den Mama und Papa mit 2 anderen Paaren bei Dir gemacht haben und die vielen Gespräche mit Dir, hatte Mama den Mut ganz anders mit den Wehen umzugehen als bei der ersten Geburt. Sie hat mitgearbeitet mit der Wehe, sie waren ein richtig gutes Team. Ich merkte es daran, daß mein Weg nach draußen immer weiter wurde. (Übrigens: Was Mamas ursprüngliche Ängste, die Nachbarn zu stören, betrifft: sie war so bei sich, daß ein lautes Schreien gar nicht nötig war und im Nachhinein haben wir erfahren, daß keiner im Haus etwas mitbekommen hat. Schade, oder?)

Kurz vor 4.00 warst Du da und da waren wir schon mächtig am Schaffen, alle 2-3 Minuten kamen die Wehen, die mich weiter nach draußen drängten. Jetzt konnte ich es nicht mehr erwarten, ich wollte die Welt sehen. Du hast nach dem Muttermund getastet, 7 cm auf, und durch Deine Anwesenheit konnte Mama sich endgültig "aufmachen".

Sandra kam dazu, ich drängte weiter und Mama wollte nicht mehr liegen, stellte sich an den Sessel und hielt sich an Papas Armen fest.
Plötzlich machte es plopp um mich und mein schönes, warmes Zuhause floß an mir vorbei und zog mich mit weiter nach unten. Jetzt war ich in Fahrt und drückte meinen Kopf an den Ausgang. Das hat Mama erstmal gar nicht gefallen und sie hatte Panik, mich nicht rauszukriegen. Sie verweigerte ein paar Wehen das Schieben und erst durch Dein ruhiges Zureden, Hilde, Mama könne sich die Zeit nehmen, die sie brauche und dann schieben, wenn sie soweit wäre und durch Deinen Vorschlag, doch mal nach dem Köpfchen zu tasten, fand sie ihre Konzentration und ihren Mut wieder, tastete nach meinem Kopf -ich spürte zum ersten Mal Mamas Hand- und schob mich mit der nächsten Wehe ein Stück raus. Da war mein Kopf draußen und ich fing schon mal an zu schreien, denn ich sah einen Riesenabgrund unter mir, aber mit der nächsten Wehe schob mich Mama ganz aus ihrem Körper und ich flutschte in Deine Arme. Danke, Hilde, daß Du mich aufgefangen hast. Es war 4.55 und ganz schön kalt, aber Mama nahm mich hoch, stellte fest, daß ich ein Junge war und ich wurde mit im Backofen vorgewärmten Handtüchern zugedeckt. Dann habe ich es mir mit Mama und Papa auf dem Bettsofa gemütlich gemacht. Wir haben gewartet, bis die Nabelschnur auspulsiert hat und dann hat Papa sie durchtrennt.
Nachdem die Nachgeburt geboren war und ich das erste Mal Mamas Brust probiert hatte, hast Du Dich mit Sandra und unsrem Kindermädchen, das auf meinen Bruder aufgepaßt hat, in die Küche zurückgezogen und ich durfte in Ruhe Mama und Papa beschnuppern. Wir hatten Zeit, uns ein bißchen näher kennenzulernen. Dann hast Du den kleinen Dammriß von Mama genäht und die Geburt endete mit einem wunderschönen Frühstück mit Dir, bei dem ich Bekanntschaft mit der Sonne machte, die mittlerweile aufgegangen war und und ins Geburts/Wohnzimmer schien und ich lernte meinen Bruder kennen, der alles verschlafen hatte und nun aufwachte und ein Brüderchen bekommen hatte.
Die nächsten 10 Tage Wochenbett genoß ich Deine Besuche, bei denen Du Dir so viel Zeit für mich und meine Familie genommen hast. Mamas Milch schmeckt lecker und ich habe Dank Deiner Hilfe ganz schnell gelernt, wie ich sie aus ihrer Brust herausbekomme und wir genießen diese "stillen Momente" sehr.

Liebe Hilde, vielen Dank, daß Du Mama und Papa eine so wundervolle Erfahrung ermöglicht und mir so einen tollen Weg auf die Welt geebnet hast.
Sage Sandra bitte Danke für Mamas hnc behandelte Körper und Seele.
Mir tut es nur leid, daß mein großer Bruder so eine Erfahrung nicht machen konnte, aber er hatte wenigstens Maren und Dich, die ihn liebevoll nach der Klinik versorgt haben.

Dein Maximilian