Meikes Geburt



Durch die Erlebnisse während der Geburt unserer ersten Tochter Saskia, stand für uns fest das wir nicht mehr in ein Krankenhaus gehen wollten. So war schon am Anfang der 2. Schwangerschaft klar, wir wollen unser zweites Kind zu Hause bekommen und begrüssen.
Die Schwangerschaft verlief ohne Probleme und so stand der Hausgeburt nichts mehr im Wege.
So ca. 4 Wochen vor Entbindungstermin bekamen wir von Anette noch eine Liste für unsere Geburtskiste, und es wurde alles noch mal besprochen was bei einer Hausgeburt so auf uns zu kommen kann. Die Geburtskiste packen zu dürfen, damit Anette während der Geburt nicht unsere Wohnung auf den Kopf stellen muss, war richtig spannend. Vor allem lenkte es uns noch mal etwas vom warten auf den Tag X ab.
Und dann kam der Tag der Hausgeburt. Ein Montag, genauer der 30. August 2004. Es fing alles ganz harmlos, am frühen Morgen, mit ein paar Wehen an. Eigentlich waren es noch keine Wehen, ich spürte morgens das mein dicker Bauch recht regelmässig hart wurde, weh tat es aber noch nicht. Ein warmes Bad um 7 Uhr morgens veränderte irgendwie auch nichts. So Frühstückten wir dann in Ruhe, auch wenn ich keinen Appetit mehr hatte, und hatten genügend Zeit Anette anzurufen um ihr mitteilen zu können, dass es nun wohl endlich los geht. Die Betreuung für unsere grosse Tochter wurde ebenfalls verständigt und dann hatten Stephan und ich auf einmal einen tierisches Nestbau verlangen. Es musste noch gesaugt, gewaschen, aufgeräumt etc. werden. Total verrückt, während diesen ganzen Aktionen wurden die Wehen stärker und wir wuselten durch die Wohnung. Irgendwann wurden die Wehen dann aber so stark, dass ich mich in unser Schlafzimmer verzog. Doch so konnte es nicht weiter gehen, Saskia spürte wohl auch die Aufregung und fragte mich ständig irgendwelche Dinge während ich Wehen veratmete. So rief Stephan Anette an und Saskia wurde zu meinen Eltern gebracht die glücklicherweise im gleichen Haus wohnen.
Zeitgleich kamen dann meine Schwester, die für Saskias Betreuung zuständig war, und Anette bei uns an.
Endlich wurde es wieder ruhiger in unserer Wohnung. Anette brachte die nötige Ruhe mit und auch viel Equipment.
Die erste Stunde konnten Stephan und ich nun endlich zu einander finden. So waren auch die Wehen wieder viel besser zu veratmen. So ging es nun eine ganze Weile, die Wehen wurden stärker, ich veratmete mit Hilfe von Stephan und Anette und pendelte zwischen Bett, Ball, Gebärhocker und Toilette. Wir hatten in unsere Schlafzimmerdecke einen dicken Haken montiert an dem nun unser Tragetuch baumelte welches ich auch um keinen Preis der Welt wieder hergegeben hätte. Ich wäre gerne ins Wohnzimmer gegangen, aber den Haken konnte ich leider nicht mitnehmen. Zwischen den Wehen konnte ich mich noch sehr gut unterhalten und wunderte mich eher darüber wie gut das alles funktionierte. So hatte ich das bei Saskias Geburt nicht in Erinnerung. Anette begann zwischendurch immer mal einige ihrer Sachen zu richten. Es fing damit an, dass sie den Wickelplatz für sich soweit vorbereitete, Stephan und sie bezogen das Bett mit einer Malerfolie und einem frischen Spannbettlaken usw. Peu a peu wurde alles vorbereitet ohne daß ich es richtig mitbekam oder realisieren konnte. Die Geburt schien mir noch so unsagbar fern!!!

Gegen 15 Uhr konnte ich mich dazu entschließen nach dem Muttermund tasten zu lassen. Uns fiel ein Stein vom Herzen als Anette meinte, der Muttermund ist schon bei 6-7cm und weich. So waren die vielen Wehen, die ich bis dahin schon hatte, richtig erfolgreich.
Irgendwann telefonierte Anette mit Sandra, um ihr mitzuteilen, daß sie wohl bald kommen könnte.
Ich habe während dieser Zeit kaum auf die Uhr geschaut, so kann ich auch nicht sagen, wie lange eine Wehe dauerte und in welchem Abstand die Wehen kamen. Ich spürte schon sehr deutlich dass ich Wehen hatte. Die Fruchtblase platzte während einem der viele Toilettengänge was die Wehen ziemlich veränderte aber auch wieder besser veratmen liess.

Dann ging auf einmal alles recht schnell. Ich saß schon eine Weile auf dem sehr bequemen Gebärhocker und veratmete mit Hilfe von Stephan Wehe um Wehe.

Sandra war in der Zwischenzeit auch schon gekommen, was ich aber gar nicht so wahr genommen habe.
Anette ermunterte mich mal etwas mitzudrücken. Es einfach mal auszuprobieren. Es war ein komisches Gefühl und behagte mir gar nicht, sollte der Muttermund denn schon ganz auf sein? War es schon soweit?
Anette behielt recht, ich wusste selber nicht, dass es nun schon soweit war. Die nächste Wehe fing genauso an wie die anderen und auf einmal spürte ich einen sehr angenehmen heftigen Druck nach unten. Eh ich es begreifen konnte, das dies nun eine der Presswehen ist, war der Spuk auch schon wieder vorbei. Der Kopf war bereits sichtbar gewesen und so durfte ich bei der nächsten Wehe kräftig mitdrücken. Und mit der nächsten Wehe war der Kopf (glaube ich) schon geboren. Vielleicht waren es auch mehrere, aber wer zählt da denn schon mit? Das Gefühl als ich den Kopf im Spiegel sah, ist nicht in Worte zu fassen. Das war für mich der Moment indem ich wusste, unser Kind wird heute geboren. Diese Wehenpause war für mich die längste und schönste zugleich. Die Gefühle die einen in diesem Moment ergreifen sind überwältigend. Und dann war unser Kind da, eine Tochter, sie lag im Arm von Anette. Ich hätte sie Stunden einfach so anschauen können.
Ich kann es jetzt noch kaum glauben, diese Geburt war wunderschön und jedes Mal wenn ich Meike anschaue dann lässt mich noch ein Hauch dieses Gefühls erschaudern.
Wir sind sehr dankbar für die gute Betreuung von Anette und Sandra während dieser Schwangerschaft, 9 Monate haben beide uns so liebevoll begleitet und auf diesen wunderschönen Tag vorbereitet, dass wir sie jetzt doch sehr vermissen.

Vielen Dank!!!
Familie Willius