Die Geburt von Ole



Ole Christof und ich erwarteten unser erstes Kind Mitte Juli 2008. Ich machte die Vorsorge bei Hebammen und ließ keinen Ultraschall durchführen. Ich habe dies sehr genossen. Unsere Hebamme kam zur Vorsorge zu uns nach Hause. Ich habe mich stets sehr sicher und wohl gefühlt. Das Vertrauen in meinen Körper und in mein Kind war mir dabei eine große Hilfe.

Eine Woche vor dem errechneten Geburtstermin machte sich unser kleines Baby auf den Weg zu uns. Christof und ich schliefen in dieser Nacht bei meinen Eltern (ca. 70km von unserem Wohnort entfernt), da am vorherigen Tag mein Bruder Geburtstag feierte.
Morgens um 3:15 Uhr wachte ich auf und musste auf Toilette. Es zog irgendwie im Rücken und mir kam kurz der Gedanke: "Die Geburt geht vielleicht los". Sicher war ich mir nicht, also ging ich wieder ins Bett und versuchte weiterzuschlafen. Allerdings musste ich nach 5 Minuten wieder auf Toilette, diesmal hatte ich Durchfall. Das Thema Geburt rückte immer näher. Ich brauchte noch 10 Minuten um wirklich zu realisieren, dass unser Kind wohl heute zu uns kommen möchte. Seitdem zog es in regelmäßigen Abständen im Rücken. Ich fluchte innerlich, da ich oft hörte Rückenwehen sollten die unangenehmeren Wehen sein.
Um 4:30 Uhr weckte ich dann meinen Mann. Wir alberten in den Wehenpausen noch ein wenig im Bett herum und freuten uns auf unser Kind. Um 6:00 Uhr machten wir uns auf den Heimweg, da die Wehen stärker wurden und die Fahrt eine dreiviertel Stunde dauerte. Da plante ich eine Hausgeburt und musste trotzdem mit Wehen Auto fahren, was wirklich nicht sehr angenehm war.
Zu Hause angekommen rief ich meine Hebamme Hilde an, die um 9:00 Uhr kommen wollte. Ich vertrieb mir die Zeit in der Badewanne. Dort waren die Wehen viel besser zu ertragen als an Land. Als Hilde schließlich bei uns war, stöhnte ich schon ziemlich und hoffte auf eine gute Muttermunds-Eröffnung. Ich bat Hilde mich zu untersuchen. Der Muttermund war 2cm geöffnet. "Ok das wird ein langer Tag", habe ich mir dann gedacht. Hilde ging nochmal für zwei Stunden weg und ich verschnaufte im Stehen und Sitzen meine stärker werdenden Wehen. Mein Mann Christof war stets bei mir und massierte mein Kreuzbein, das sich anfühlte, als müsste es zerspringen.
So verbrachten wir die Stunden im Wohnzimmer. Hilde kam um elf Uhr wieder. Es war eine ruhige (bis auf mein lautes Stöhnen) und vertraute Stimmung. Ich wechselte ständig meine Position, auf der Suche nach einer Stellung, die die Wehen erträglicher machen sollte. Hilde hörte ab und zu die Herztöne unseres Kindes und Christof schlief in den Wehenpausen regelmäßig ein.
Gegen 13 Uhr wollte ich erneut, dass Hilde nach meinem Muttermund tastet. Ich spürte, dass er 3-4cm geöffnet war, hoffte allerdings, dass ich mich täuschte. Dies war leider nicht der Fall. Ich war enttäuscht und fragte mich wie ich das noch schaffen sollte. Die Wehen waren jetzt schon unerträglich. Aber ich hatte nie Angst. Mein Vertrauen in meine Hebamme, in mich, in mein Kind und meinen Mann gab mir Kraft das alles auszuhalten und weiterzumachen.
Ab 13 Uhr ging ich wieder in die Badewanne. Im Wasser konnte ich die Wehen am besten ertragen. Christof und Hilde saßen am Wannenrand und waren einfach nur da. Ab und zu munterten sie mich auf und sprachen mir neuen Mut zu. Gegen 16 Uhr kam unsere Zweithebamme Nora dazu. Um diese Uhrzeit war mein Muttermund endlich vollständig geöffnet. Ich lag immer noch in der Wanne und meine Haut war komischerweise kaum verschrumpelt. Den Kopf unseres Kindes konnte ich von außen tasten, was mir neue Kraft gab. In dieser Phase konnte ich in den Wehenpausen auch mal wieder lachen und ein paar Witze machen. Ich war so froh, dass endlich die letzte Phase der Geburt begonnen hatte. So saßen wir zu viert in unserem Bad und warteten auf unser Kind, dass es gar nicht eilig hatte. Um 17 Uhr kam der Kopf kaum tiefer, mein Beckenboden war sehr straff und der Kopf unseres Babys sehr groß. Zu dieser Zeit hatte ich absolut keine Lust mehr. Ich wurde sauer, weinerlich und wollte diese Schmerzen nicht mehr ertragen. Ich redete immer wieder mit meinem Baby und ermunterte es jetzt doch mal herauszukommen. Hilde gab mir Tipps, welche Körperstellungen jetzt von Vorteil wären und so fing ich an in der Wanne rumzuturnen. Meine Schreie und mein Tönen schallten in unserem Bad besonders gut, aber zum Glück machte ich mir zu diesem Zeitpunkt überhaupt keine Gedanken um meine Mitbewohner. Gegen 17:30 Uhr hatte ich es dann endlich geschafft. Der Kopf war geboren und ich war sehr erleichtert. Ich fühlte nach dem Schopf unseres Kindes. Er fühlte sich ganz weich und zart an. Es war ein tolles Gefühl. Ich hockte quer in der Wanne, Christof direkt vor mir. Wir konnten es kaum glauben. Wenig später kamen im Liegen die Schultern und schließlich der Rest unseres Babys heraus. Hilde fischte mir unser Kind aus dem Wasser und ich nahm es entgegen. Der erste Gedanke war: "Es sieht aus wie ein Mädchen". Dann schaute ich zwischen die Beine und es war nicht zu leugnen, dass es ein Junge war. Ich war so erleichtert. Ich hatte es geschafft. Es war alles dran an unserem kleinen neuen Erdenbürger. Hilde und Nora ließen uns erst einmal allein und wir hatten Zeit in Ruhe unseren Sohn zu begrüßen und über seinen Namen zu diskutieren, der zu diesem Zeitpunkt noch nicht feststand. Christof war endlich mit einem Vorschlag von mir einverstanden. So nannten wir ihn Ole.

Ole, geboren am 12 Juli 2008 in unserer Badewanne zu Hause. Ich war einfach nur dankbar, dass unser Sohn bei uns zu Hause auf die Welt kommen durfte - in Sicherheit, Geborgenheit und Vertrauen. Ich würde mich jedesmal wieder für eine Hausgeburt entscheiden. Ich kann jeder Frau, die Geburt als etwas Natürliches sieht und ihrem Körper vertraut, dieses Erlebnis zu Hause empfehlen. Heutzutage ist es ein Luxus eine Hebamme (oder auch zwei) für sich alleine zu haben.