100. Hausgeburt



Olivia "Am 06.04.05 um 00.40 bin ich endlich in Lützelsachsen angekommen. Ich wiege 3.740 g und bin 53 cm lang, mein Kopfumfang beträgt 36 cm. Mama und mir geht es sehr gut. Viele Grüße auch von meinen glücklichen Eltern Nathanael und Renate mit Alexander, Julia, Daniel, Tobias und Sebastian! Bis bald ! Eure Olivia"

Vor mir waren schon meine großen Geschwister − vier Brüder und eine Schwester − in Mamas Bauch und alle kamen zwischen 12 und 20 Tagen vor dem errechneten Geburtstermin zur Welt. Deshalb dachte meine Mama, dass bestimmt auch das sechste Baby vorzeitig kommen würde und rechnete schon zwei Wochen vorher mit mir.

Zwölf Tage vor dem besagten Termin, der dieses Jahr genau auf den Ostersonntag fiel, meinte sie deshalb, mir etwas auf die Sprünge helfen zu können und nahm am Abend zwei Löffel Rizinusöl. In der folgenden Nacht tat sich auch tatsächlich etwas und Wehen setzten ein. Meine Mama glaubte natürlich, es geht jetzt los, weil zwei meiner Brüder auch schon auf Rizinusöl reagiert hatten und dann heraus wollten.

Um 1.00 Uhr rief sie Hilde an, die auch gleich kam. Sie hatte übrigens vor vier Jahren im Geburtshaus schon meinem jüngsten Bruder auf die Welt geholfen. Aber ich ließ mich nicht so einfach heraus locken, aus der Geborgenheit und Wärme in Mamas Bauch. Ich fühlte mich so wohl da drin und wollte meine Mama noch eine Weile ganz für mich alleine haben. Nach drei Stunden war alles wieder ruhig, die Wehen hatten aufgehört, Hilde fuhr wieder heim, und ich durfte noch in meinem schönen "Zuhause" bleiben.

Nun wartete Mama jeden Tag auf mich, aber sie sollte noch eine Weile warten. Es war eine ganz neue Erfahrung für sie, einmal mit Babybauch bis zum Geburtstermin zu kommen, das hatte sie bisher noch nie geschafft. Jetzt kann sie endlich mitreden und mitfühlen, wenn jemand über den Termin geht. Es gab auch keine Gründe, die Entbindung irgendwie vorzeitig einzuleiten, weil es mir und auch meiner Mama die ganze Zeit gut ging. Sie hatte es sich viel schlimmer vorgestellt, so lange über die Zeit zu gehen.

Erst zehn Tage nach dem errechneten Geburtstermin machte ich mich dann doch endlich wirklich auf den Weg, es wurde mir nämlich langsam zu eng da drin. Um Mitternacht spürte Mama die ersten Wehen, die gleich ziemlich heftig wurden. Sofort rief sie Hilde an und bat sie, ganz schnell zu kommen. Mir wurde es plötzlich so ungemütlich da drin und ich wollte möglichst bald da raus.

Mama rief laut nach Papa, der bis jetzt noch seelenruhig geschlafen hatte. Sie spürte schon den Druck meines Köpfchens und sagte immer wieder zu mir: "Halt, noch nicht, wart noch ein bisschen, bis die Hilde kommt; nein bitte noch nicht jetzt, wart noch ein Viertelstündchen, ..."

Da, endlich, kam Hilde zur Tür herein, und ein paar Minuten später streckte ich schon den Kopf heraus. Das erste, was ich da draußen hörte, war eine sanfte Stimme, die zu mir sagte: "Hallo!" Es war Hilde, die mich da so herzlich begrüßte und mir bei der nächsten Wehe ganz heraus half. Nun kam der wundervolle Augenblick, auf den Mama so lange gewartet hatte. Sie findet, es ist einfach das größte Glück, das es gibt, sein neugeborenes Baby im Arm zu halten!

Meine Eltern gaben mir den Namen "Olivia" und alle freuen sich , dass ich da bin. Im Nachhinein können wir sagen, dass wir eine tolle Hausgeburt erlebt haben.