Hausgeburt unserer kleinen Ronja



Eigentlich dachte ich, unser kleiner Schatz kommt zu früh zur Welt. Fünf Wochen vor dem errechneten Termin bekam ich immer wieder Wehen, am Anfang waren es eindeutig Senkwehen und diese hatte ich hauptsächlich nachmittags und nachts. Es war einfach nur ein Ziehen nach unten und ein immer wieder harter Bauch. Ab zwei Wochen vor dem errechneten Termin war es regelmäßiger und fühlte sich schon stärker an, sodass ich auch öfter meinen Darm entleeren musste und nachts teilweise wach durch die Wohnung lief, weil ich dachte, die Geburt könnte losgehen. Aber dieser Zustand sollte sich noch einige Tage hinziehen.
Vier Tage vor dem errechneten Termin, und zum Glück auch erst nach dem Wochenende, an dem meine Eltern (also Oma und Opa der großen Geschwister) noch mal einen Kurzurlaub machten, um dann Rufbereit für uns bzw. unsere zwei Jungs da zu sein, war es dann soweit. Irgendwie merkte ich morgens schon, dass es heute anders ist als die ganze Zeit. Meine innerliche Unruhe, die ich schon Tage hatte, war vorbei. Ich merkte, heute ist es soweit. Allerdings konnte ich mir immer noch nicht so recht vorstellen, wie das mit den großen Brüdern und der Geburt zu Hause funktionieren sollte. Oma und Opa hielten sich aber bereit um die Kids im Fall der Fälle zu betreuen.
Unser jüngster Sohn Frederic war sonntags krank mit hohem Fieber (ich denke er spürte, dass sich was ändern würde und verarbeitete dies wohl mit kranksein) im Bett. Auch montags, als ich merkte, die Geburt würde bald losgehen, war er krank zu Hause und nicht im Kindergarten. Unsere Oma brachte mittags den Großen (Florian) vom Kindergarten und blieb bei uns zur Unterstützung bis Papa von der Arbeit kam. Den schickte ich gleich noch Getränke holen, denn ich merkte innerlich, dazu würde er die nächsten Tage erst mal nicht kommen. Außerdem hatten wir noch die nötigsten Lebensmittel eingekauft. So gut gerüstet konnte es ja losgehen, das Wunder Geburt! Bis abends hatte ich immer wieder ein regelmäßiges Ziehen verspürt, aber nichts Weltbewegendes. Um 20:00 Uhr ging ich in die warme Badewanne und erhoffte mir mehr Klarheit, doch da wurden die Wehen weniger und so haben wir die Kinder bei uns zu Hause zu Bett gebracht und nicht wie eventuell geplant zu Oma und Opa. Da unser jüngster Sohn auch noch etwas Temperatur hatte, war es auch besser, dass er in seinem eigenen Bett schlafen konnte.
Als die Kinder dann im Bett waren, merkte ich recht schnell, dass es doch losgehen sollte und zwar heute noch. Die Wehen wurden etwas stärker, sodass es mich zwang mitzuatmen. Sie kamen in regelmäßigen Abständen von etwa 13 Minuten. Es konnte also noch dauern. Nach einer Stunde riefen wir unsere Zweit-Hebamme Janina an, die den weiteren Weg hatte (sie musste eine Std. zu uns fahren) und informierten sie über die begonnenen Wehen. Janina informierte dann Nora (unsere eigentliche Hausgeburtshebamme), die eigentlich noch bis zum nächsten Morgen ihr freies verlängertes Wochenende hatte. Wir indessen versuchten uns noch ein wenig auszuruhen. Ich konnte nicht mehr schlafen (obwohl ich sehr müde war, da wir die Nacht zuvor wegen des hohen Fiebers von Frederic auch schon kaum geschlafen hatten). Mein Mann Joachim machte noch ein kurzes Nickerchen. 23:30 Uhr, nachdem ich doch noch mal kurz und tief weggedöst war (vielleicht so 30 Minuten) wachte ich auf und musste auf Toilette, daraufhin hatte ich alle 3-4 Minuten Wehen. Es ging also los, unsere Geburt. Ich war ja so gespannt, ob es wieder ein Junge oder ein Mädchen werden sollte. Alle glaubten, wir würden wieder einen Jungen bekommen, da mein Bauch wie bei den beiden Jungs wieder nach vorne wuchs und nicht in die Breite, wie es bei Mädchen vorhergesagt wird. Auch unsere Gipsbäuche, die wir jeweils drei Wochen vor den errechneten Geburtsterminen machten, sahen alle recht gleich aus. Nur dieses mal war der Bauch etwas kleiner.
Als ich eben so mit den Wehen versuchte mitzugehen bzw. sie wirklich als Wellen zu sehen und zu veratmen, informierte Joachim unsere Hebammen (beide machten sich auf den Weg zu uns). Am besten ging das Wehen verarbeiten beim Herumlaufen und bewegen in der Wohnung und später dann draußen auf dem Balkon, denn ich verspürte plötzlich das dringende Bedürfnis frische Luft zu benötigen. So wehte ich vor mich hin und wurde nur kurz unterbrochen von der Ankunft unserer Hebammen Nora (die nach 20 Min. bei uns war und Janina die etwa nach einer Std. kam). Janina hatte an diesem Tag schon eine Geburt und war dementsprechend müde. So richtete mein Mann ihr ein Nachtlager in unserem Spielzimmer für unsere Kinder. Sie schlief dort auch wirklich noch mal ein und auch unsere Jungs schliefen tief und fest während Mama voll beschäftigt mit den Wehen war. Dazwischen war mir auch besonders wichtig überall in der Wohnung Kerzenlicht zu haben und so wurden alle Lampen aus und alle möglichen Kerzen an gemacht. So ergab es für mich eine stimmige Geburtsatmosphäre. Ich hatte keine Uhr an, aber so schätzungsweise gegen 03:00 Uhr wurden die Wehen heftiger und intensiver, aber noch konnte ich gut umherlaufen. Doch musste ich schon mittönen, aber es sollte bald noch intensiver werden und ich musste dringend noch mal aufs stille Örtchen. Danach waren die Wehen so heftig, dass es mich auf die Knie zwang (auf eine vorbereitet Matte im Wohnzimmer). Ich musste richtig mittönen bzw. teilweise sang ich auch ("Oh Baby komm zu mir"). Diese Phase, die Eröffnungsphase, dauerte etwa 1,5 Std.. Dann verspürte ich den Drang mitzuschieben, aber es sollte für mich noch eine gefühlte Ewigkeit dauern bis unser Baby endlich ankommen konnte. Irgendwann taten mir die Knie weh und alles war unbequem, auch die tiefe Hocke oder der Geburtshocker waren mir unbequem. Doch meine Beine machten dann so schlapp, dass mich mein Mann stütze und ich doch in die Tiefe hocke ging. Es dauerte wirklich lange, immer wieder mitzuschieben, mitzupressen und ich merkte richtig, das Baby rutscht tiefer und dann wieder zurück. Ein sehr unbefriedigender Zustand: war ich doch eh schon total müde und kraftlos und wollte einfach nicht mehr. Immer wieder fragte ich, ob jetzt endlich unser Baby kommen würde und wie lange es noch dauern würde. Wehe um Wehe verging und es dauerte und dauerte. Ich war das von meiner letzten Geburt (ebenfalls eine Hausgeburt) gar nicht gewohnt, da ging es nach der Eröffnungsphase ratzfatz. Ich wurde auf eine harte Geduldsprobe gestellt und irgendwie hatte ich auf einmal furchtbare Angst, wir müssten ins Krankenhaus. Doch dann tat sich doch was. Nora sagte immer wieder, dass ich das schaffe und versuchte mich immer wieder aufzubauen, damit ich den Mut nicht verlor. Endlich, endlich 3:59 Uhr war es soweit, ich presste wieder und mit ganzer Kraft schob es unser kleines Menschlein zu uns. Jetzt musste ich mich erst mal hinlegen, da meine Beine einfach nicht mehr wollten, nach über einer Std. knien und noch einiger Zeit in der tiefen Hocke machten sie jetzt endgültig schlapp. Jetzt erst konnten wir sehen warum die Geburt länger dauerte, als ich mir erhoffte (da es eben bei meinem zweiten Kind schneller ging). Die Nabelschnur war sehr kurz und war einmal um den einen Fuß geschlungen. So hatte sie sich einfach immer wieder ein Stück selbst zurückgeschoben und jetzt konnten wir das auch sehen, denn der Nabel war richtig nach außen lang gezogen (was sich aber nach ein paar Tagen von selbst regulierte). Unser Baby lag neben mir, so klein und winzig, so zart und fein, aber alles perfekt. Bald fing es an nach meiner Brust zu suchen. Noch im Wohnzimmer liegend stillte ich das winzige Menschlein und dann fragte irgendwann Joachim , was ist es denn nun. Wir schauten zwischen die Beinchen und stellten zu unserer Verwunderung fest, es war ein kleines Mädchen. Es dauerte auch wieder eine gefühlte Ewigkeit (ich hatte wie gesagt keine Uhr an), bis sich die Plazenta löste und ich diese im Liegen gebar. Es blieben noch ein paar kleinere Eihautreste in mir, die sich erst nach und nach mit dem Wochenfluss lösen sollten.
So konnten wir dann endlich nach einer gewissen Erholungsphase ins Ehebett umziehen. Im Schlafzimmer musste auch erst mal gewärmt werden, mit einem Heizlüfter, da durch die Nachtabsenkung der Heizung doch schon ziemlich kühl war. Wir durften uns da erst mal neu kennenlernen und uns den Namen unserer Tochter überlegen. Zuvor schon hatten wir uns drei Jungen und drei Mädchennamen ausgesucht, doch ein Name gefiel uns auf Anhieb: Ronja sollte unsere kleines Baby heißen.
Die Hebammen füllten die Unterlagen aus und räumten im Wohnzimmer auf. Unsere Jungs schliefen immer noch tief und fest. Ich konnte es nicht fassen, denn ich war nicht gerade leise in der letzten halben Std. der Geburt. Sonst wurden sie beim kleinsten Geräusch nachts wach. Nach zwei Std ging ich duschen und mich frisch machen. Meine Beine waren aber immer noch sehr wackelig, aber der Kreislauf perfekt. Mein Mann hatte inzwischen unsere Ronja auf seinem nackten Bauch liegen und war glücklich und stolz. Bei mir musste dann noch ein kleiner Dammriss versorgt werden. Ich hatte leider bei meiner ersten Geburt (damals im Krankenhaus) einen Dammschnitt bekommen. Dieser Schnitt war leider bei beiden folgenden Geburten jeweils wieder ein Stückchen, trotz heißem Kaffee auf einem Wattebausch, den dei Hebamme während der Geburt draufhielt, gerissen und musste jeweils mit einem Stich genäht werden. Diese verheilten allerdings immer sehr schnell und schon nach einer Woche konnte und durfte ich wieder darauf sitzen. Nach dem Dammschnitt damals hatte ich noch ein halbes Jahr und länger immer wieder Schmerzen.
Nun kurz nach 7:00 Uhr wachte unser Frederic auf und bestaunte in aller Ruhe seine kleine Schwester. Danach weckten wir auch den großen Bruder Fabian. Als sich alle kennengelernt hatten, konnte Nora noch die U1 vornehmen. Alles in Ordnung. Ronja wog 2800g und verteilte diese auf 50cm Körperlänge. Für mich wirkte sie sehr winzig und zart. Die Jungs wogen damals nach den Geburten 3850g und 3500g, also schon ein Unterschied. Ich probierte dann noch ein kleines Stückchen von der Plazenta. Aber ich hatte keine Lust, mehr davon zu essen, obwohl es nach nichts speziellem schmeckte (eher etwas nach Eisen). Am nächsten Tag hätte ich noch mal Lust gehabt, aber da war sie schon im Tiefkühlfach eingefroren. Meine Rückbildung ging sehr schnell (aber ich hatte leider auch sehr heftige Nachwehen) und der Milcheinschuss kam schon am zweiten Tag. Ronja nahm zum Glück auch nicht viel ab, nur so 100g. Schon eine Woche nach der Geburt wog sie über 3000g. 4,5 Wochen nach der Geburt bei der U3 beim Kinderarzt wog Sie 3700 g. Die Vorsorgeuntersuchungen sind bei uns im hessischen ja leider Pflicht. Wie schön, alles nimmt seinen Lauf und die Familie wächst zusammen und jeder versucht seine neue Position zu finden. Für die Kinder ist dies genauso schwer wie für die Eltern. Zum Glück hatte Papa jetzt einen Monat Elternzeit und konnte die beiden Jungs gut auffangen. Mama konnte sich nun ganz auf das Wochenbett und das Baby Ronja konzentrieren. Natürlich versuchte auch ich immer wieder die Großen mitzuintegrieren und ihnen zum Beispiel vorzulesen, wenn ich stille. Sie dürfen auch mal ihren Finger zum Saugen als Brustersatz in Ronjas Mund halten, wenn ich gerade noch auf Toilette muss. Alles in allem ein aufregendes, kräftezehrendes, aber doch wunderschönes Erlebnis: Die Geburt eines Menschenkindes!
Wir danken unseren tollen Hebammen für ihre Unterstützung. Und unseren Omas und Opas fürs Bekochen und Kinderbetreuen und sonstige Hilfen! Für alle, die uns Babymädchenkleider gebracht haben oder verliehen haben. Und natürlich bedanken wir uns bei allen, die uns Glück und alles Gute gewünscht haben oder einfach nur an uns gedacht haben.
Ganz besonderes Lob gilt unserer Hebamme Nora, die uns die gesamte Schwangerschaft über betreut hatte und uns während der Geburt, Wochenbett und Stillzeit mit Rat und Tat zur Seite stand.