Die Hausgeburt aus der Sicht des Vaters

Bensheim, 27. April 2004


Da war es dann soweit: Das Baby im Bauch – von uns noch liebevoll "Hopser" genannt – machte sich bereit, das Licht der Welt zu erblicken. Wir waren uns alle drei einig, dass es eine Hausgeburt werden sollte.

Wie erlebt ein werdender Vater diese Stunden?

Natürlich wurde im Vorfeld während der Geburtsvorbereitung über den theoretischen Ablauf einer Hausgeburt geredet. Was es als Mann heißt, etwas dazu beizutragen während der quälenden Stunden, die die Frau durchmachen muss, wurde mir erst später bewusst. Zunächst kam ich mir während der Eröffnungsphase noch sehr hilflos vor. Die schmerzlichen Töne – besonders während dieser Phase – waren auf Dauer schwer auszuhalten. Es war schon eine merkwürdige Situation, die Frau in einer bis dahin nie da gewesenen Situation zu erleben. Es gab für mich Momente des inneren Rückzuges, weil ich das Gefühl hatte, bei allem, was ich tat oder ich mir überlegt hatte zu tun, keine wirklich echte Hilfe zu sein. Das sollte sich aber noch ändern. Ich verfiel phasenweise in Passivität und zog mich für kurze Momente zurück, um einen klaren Kopf zu behalten. Mit zunehmender Dauer der Eröffnungsphase, die mir endlos erschien, wurde der Nebel in meinem Kopf immer dichter. "Wie lange geht denn das noch?", dachte ich. Die Stunden vergingen nur sehr langsam.

Richtig zum Zuge kam ich die letzten 2 Stunden vor der Geburt von Rosa. Da konnte ich die Hand von Simone halten, berichten, wie weit das Köpfchen schon zu sehen ist und endlich die Ankunft der Rosa verkünden. Die Geburt war ein ergreifendes Ereignis in meinem Leben. Ich hatte mir das in meiner Vorstellung nie so ausgemalt. Noch Tage und Wochen nach der Geburt waren die Bilder, die ich sehen durfte, stark präsent. Da war sie, die zarte kleine Rosa, ein Menschlein, für dessen Existenz ich auch mit verantwortlich war und bin.

Rosa Die entscheidende Antwort auf meine Zweifel, wie ich denn während der Geburt hätte helfen können, habe ich schließlich gefunden. Sie heißt Zeit und Vertrauen schenken. Ich habe zugelassen, dass die Dinge ihren Lauf nehmen konnten und hatte Vertrauen in unsere Hebamme Anette sowie in Simone und nicht zuletzt in Rosa. Mein Teil der Arbeit war, diesen Lauf fließen zu lassen und die Situation nicht schnell durch Selbstzweifel, Angst und anderen menschlichen Schwächen in Frage zu stellen und damit zu stören.

Schön, dass Du da bist, Rosa!