Sörens Hausgeburt in der Badewanne



Gerade schwanger sind wir von Hamburg nach Wald-Michelbach umgezogen. Früh machte ich mich auf die Suche nach einer Nachsorgehebamme und landete mit Umwegen bei Hilde. Das erste Telefonat war interessant und wir wollten Hilde gerne näher kennen lernen. So wurde ein Termin vereinbart und ich dachte nachher: "Wow, tolle Frau!" Eine Hausgeburt hatten wir damals noch nicht näher ins Auge gefasst, aber immer öfter tauchte die Frage auf:
"Warum eigentlich nicht?" Hilde würde uns ja begleiten und bei Komplikationen rechtzeitig ins Krankenhaus schicken und krank war ich schließlich nicht, nur schwanger. So wuchs langsam der Entschluss. Unsere negativen Erfahrungen bei der ersten Geburt im Krankenhaus fielen uns wieder ein und dann stand die Entscheidung fest.
Hilde hat eine tolle Vorsorge und Betreuung während der Schwangerschaft geleistet und mir geholfen, mit vielen Vorwehen und 9 Monaten Übelkeit klarzukommen.
Sehr genossen habe ich auch, dass sie Zeit hatte und für alles mögliche ein offenes Ohr. Das alle Termine bei uns zu Hause stattfanden war eine große Erleichterung, den wir hatten damals nur ein Auto und mit dem musste mein Mann zur Arbeit.
Der Einstimmungsabend für Paare kam, es waren noch 14 Tage bis zum ET und ich hatte auf der Fahrt dorthin regelmäßige Wehen. Klasse, dachte ich, wir liefern hier die passende Show. Während des Abends ging es munter weiter, aber auf der Heimfahrt war Schluss. "Na gut, dann halt nicht" dachte ich. Am nächsten Morgen nach dem Frühstück setzten wieder Wehen ein, wurden gegen Mittag regelmäßig, nachmittags musste ich schon mal tiefer Luft holen und abends, als unsere "Große" im Bett war, also Zeit und Ruhe für die Geburt gewesen wären, hörte alles wieder auf. Etwas genervt ging ich ins Bett, denn der Bauch störte doch im Alltag sehr. Am nächsten Morgen begann das gleiche Spielchen, abends war wieder Schluss und ich endgültig genervt, denn nach dem dritten Tag tat mir der Bauch auch weh. Hilde wies mich noch schmunzelnd daraufhin, dass Sperma ja einen leicht wehenfördernden Stoff enthalten würde...
Silvester Morgen, 9:00h. Ich wollte beim Bäckerwagen Brötchen kaufen und wartete an der Straße. Um mir die Zeit zu vertreiben, habe ich noch eine Runde Schnee geschippt. Der Bäcker verspätete sich so lange, bis ich auf frische Brötchen verzichtete. Wieder in der Wohnung merkte ich ein paar Wehen, dachte mir aber nichts dabei. Gegen 10:00 waren die Wehen kaum noch auszuhalten und ich scheuchte meinen Mann ins Badezimmer, um mir ein Bad einzulassen, das hatte in der Schwangerschaft oft geholfen. Irgendwie wuchtete ich mich in die Badewanne und registrierte am Rande, dass die Wehen alle 2-3 Minuten kamen. Gegen 10:40 rief mein Mann Hilde an, die sich dann auch zügig auf den Weg machte. Um 11:04 kam Hilde und ein Stück Normalität kehrte zurück. Ihre Anwesenheit sorgte dafür, dass ich mich weiter entspannen konnte. Sie sah so vertraut aus in hellem Rock und rotem Oberteil mit geringelten Strümpfen. Trotz der heftigen Wehen ging es Sören gut, für mich waren sie aber schwer auszuhalten. Nur als Hilde mich darauf hin wies, dass ich 1,5 Minuten Pause zwischen den Wehen hätte und es auch nur 0,5 Minuten sein könnten, überkamen mich kurzzeitig Mordgedanken Smiley. Sie untersuchte mich kurz und stellte fest, dass unser Sohn sich gedreht hatte und so nicht in den Geburtskanal passte. Mit zartem Streicheln und sanften Worten überredete sie ihn und er drehte sich nach einer Weile richtig herum. Mit der nächsten Wehe platzte die Fruchtblase und 7 Minuten später schwamm ein "Fisch" in unserer Badewanne. Sie hielt ihn unter Wasser fest, bis ich tief Luft geholt hatte und dann durfte ich ihn selber aus dem Wasser heben. Ein wunderbares Gefühl! Er bewies auch gleich, dass sämtliche Ausscheidungsorgane hervorragend funktionieren. Warme Handtücher gab es zwar keine, dafür reichte die Zeit nicht mehr, aber wir sind nachher ins Wohnzimmer umgezogen und dort brannte ein großes Kaminfeuer. Hilde ließ uns viel Zeit zum kennen lernen und mein Mann und ich kuschelten ausgiebig. Nach gut einer Stunde machte sie eine ruhige, ausgiebige U1 vor dem Kamin und untersuchte mich. Alles war heil geblieben und ich freute mich, denn das Nähen eines Dammrisses und eine schlecht verlaufende Heilung hatte ich vom ersten Kind noch in unguter Erinnerung.
Auch in den Wochen nach der Geburt hat sie uns alle toll versorgt, einen Milchstau behoben und war mit vielen Tipps zur Hand, wenn wir sie brauchten.

Ein riesiges Dankeschön an Dich Hilde!!! Du hast die 9 Monate einmalig und möglich gemacht und uns das Wunder einer Geburt erleben lassen. Dinge, die uns bei der ersten Geburt im Krankenhaus verloren gegangen sind. Wir haben die Intimität der Hausgeburt mehr als genossen und ich konnte mich vollkommen fallen lassen. Die Nachbarn haben trotzdem nichts gehört! Smiley
Wie gut, dass wir Dich kennen lernen durften und das Du uns begleitet hast.

Eva, Gernot, Maya und Sören Frackmann


P.S. Wir haben gerade erfahren, dass es noch mal Nachwuchs gibt und freuen uns jetzt schon darauf, Hilde wieder regelmäßig zu sehen. Der Abschied ist uns doch sehr schwer gefallen.